Rede von Herrn Bandelow:




Liebe Schülerinnen und Schüler, liebe Eltern,
verehrte Kolleginnen und Kollegen,
sehr verehrte Gäste,

ganz besonders möchte Herrn Karehnke, den Vorsitzenden unseres Fördervereins begrüßen.
Das letzte Mal kommen wir hier in diesem Rahmen zusammen. In dieser Gemeinschaft, die uns die Geburtsdaten der Kinder diktiert haben und in der wir uns im Laufe der Zeit auch ganz gut kennen und schätzen gelernt haben. In wenigen Minuten werden Sie – liebe Abiturientinnen und Abiturienten – Ihr Abschlusszeugnis in den Händen halten. Am heutigen Tag dreht sich alles um Sie. Und das ist auch richtig so. Erlauben Sie mir dennoch als Erstes einige Worte an Ihre Eltern zu richten. Liebe Eltern, sicher haben Sie sich bereits umgesehen und wieder einmal festgestellt, dass sich viele von Ihnen inzwischen tatsächlich kennen. Wenn schon im Laufe der Jahre nicht persönlich, so doch zumindest vom Sehen her. Da war die Aufnahme in der 7. Klasse, gemeinsame Elternabende, einzelne Veranstaltungen in der Aula der Schule und nun die feierliche Zeugnisausgabe. Und wenn Sie sich noch ein weiteres Mal umschauen, so werden Sie feststellen, dass wir alle, Sie, Ihre Nachbarn, meine Kollegen Lehrer und auch ich reifer geworden sind. Reifer genau um die Jahre, die Ihre, unsere Kinder die Schulbank gedrückt haben. Reifer um die Erfahrungen, die Sie mit Ihren Kindern, mit der Schule, mit der Welt gemacht haben. Reifer auch um manche Sorgenfalte. Und wenn Sie sich die jungen Leute so anschauen, die heute bescheinigt bekommen, dass sie bereits die erste große Prüfung in ihrem Leben, nämlich ihre eigene Reifeprüfung bestanden haben, dann fragen Sie sich sicher, wo ist nur die Zeit geblieben? Betrachten Sie sich einfach Ihre Kinder. Alle Mühen, alle Entbehrungen, allen Kummer, aber vor allem alle Freude, die Sie in all den Jahren miteinander hatten, all das vereint sich in den jungen Menschen, die heute hier erschienen sind, um gemeinsam das Ende ihrer Schulzeit zu besiegeln und zu feiern. Lassen Sie Ihre Blicke durch die Reihen der Abiturienten wandern. Ihre Kinder sind 19 oder 20 Jahre alt, sind inzwischen ebenso groß gewachsen wie Sie und insbesondere heute ebenso froh. Es ist ganz offensichtlich, die Mühen der vergangenen Jahre haben sich gelohnt. Und um das ganz sicher und amtlich zu dokumentieren, gibt es das heute auch schriftlich. Mit Brief und Siegel sozusagen. Und Sie werden sagen können, was alle Eltern sagen können, die Zeit ist nicht spurlos vorübergegangen. Wir haben unsere Zeit und unsere Kraft der schönsten Sache der Welt, nämlich der Erschaffung und Formung von Menschen, der Entwicklung unserer Kinder gewidmet. Dass Ihnen das, liebe Eltern, ganz hervorragend gelungen ist, das kann man, glaube ich, deutlich sehen. Dass Ihnen das nicht vollkommen alleine gelingen konnte, ist ebenso klar. Jetzt kommt die Schule ins Spiel. Sie, liebe Eltern, haben Tag für Tag die Voraussetzung geschaffen, die Kinder für ihr Großwerden benötigen. Sie haben ihnen das Laufen und Sprechen beigebracht und wie man sich in der Gesellschaft bewegt. Für das Lesen, Schreiben und Rechnen konnten Sie dann die Schule in Anspruch nehmen und auch die konkrete fachliche Ausbildung fand hier statt. Immer unter den Voraussetzungen, die Sie, liebe Eltern, zu gewähren vermochten. Wir Pädagogen danken Ihnen dafür, denn ohne Ihre Hilfe können auch wir unseren Job nicht machen. Jedenfalls nicht mit dem Ergebnis, das sich uns heute präsentiert. Und nun zu Ihnen, liebe Abiturientinnen und Abiturienten, Sie werden den Rückblick auf Ihre Schulzeit weniger verklärt sehen. Schließlich waren Sie selbst all die Jahre vor Ort und mit dem heutigen Tag werden Sie endlich all die Zwänge los, die Schule nun einmal charakterisieren. Kein Stundenklingeln mehr, keine ewig lehrenden Lehrer, keine Umzüge in den viel zu kurzen Pausen, kein Büffeln, keine Kurswahl, keine Hausaufgaben! Genießen Sie den kurzen Augenblick, in dem Sie das alles beiseite legen können. Mit dem Abiturzeugnis in der Hand, das Ihnen und der Welt dokumentiert, dass Sie eine umfangreiche Allgemeinbildung Ihr Eigen nennen, werden Sie bald mit Ihrem theoretischen und praktischen Wissen in die Welt hinaustreten. Viele von Ihnen werden noch weitere Zwänge abstreifen können, die Ihnen das Zusammenleben in der Familie auferlegt hatte, irgendwo anders eigene vier Wände, in denen die Musik nie leise spielen muss, wo der Computer den ganzen Tag laufen darf und Feiern nie zu Ende gehen müssen. Klingt gut, oder? Ohne Ihnen diese Aussichten auch nur im Geringsten vermiesen zu wollen, muss ich Ihnen allerdings hier auch sagen, dass es sich bei all der Freude wirklich nur um einen Augenblick handeln wird. Über kurz oder lang werden Sie einmal mehr feststellen, dass man den Horizont nie erreicht. So wie sich nach jeder Bergkuppe eine neue Landschaft vor Ihnen ausbreitet, so werden auch an die Stelle der altbekannten Zwänge viele /viele neue treten. Den jungen Männern, die ihren Wehrdienst leisten werden, stellt sich das wohl am offensichlichsten dar. Zivildienst und soziales Jahr werden Sie andere Härten erleben lassen und wer gleich zum Studium oder in eine Ausbildung geht, für den schließt sich Schule an Schule an, nur auf einer anderen Ebene. Dann werden Sie mehr oder weniger schmerzhaft feststellen, was Sie alles noch nicht wissen und können. Und Sie werden insgeheim so manchen für Ihre eigene Unvollkommenheit verantwortlich machen wollen, die Schule, die Eltern, sich selbst. Haben Sie dann den nächsten Abschnitt geschafft, und treten Sie selbst in das Berufsleben ein, dann wiederholt sich unter Umständen diese Erfahrung noch einmal. Und noch einmal, wenn Sie selbst eine Familie gründen werden, aus der dann erneut Kinder hervorgehen werden. Und Sie werden bei allem immer wieder vor der Wahl stehen, es Ihren Eltern oder Lehrern nachzutun oder alles anders zu machen als die Erwachsenen, besser auf jeden Fall. Ob Ihnen das gelingen wird, stellt sich dabei immer erst im Nachhinein heraus. So wie heute Ihre Eltern hier sitzen und eine kleine Rückschau halten, so werden auch Sie einmal Zwischenbilanz ziehen, doch das ist noch lange hin. Kehren wir statt dessen noch einmal für kurze Zeit zu Ihrer Schulzeit an unserem Gymnasium zurück. Bevor ich jedoch zu einer Bilanz Ihrer Schulzeit komme, möchte in diesem für uns alle wichtigen Augenblick des Voneinander-Abschied-nehmens nicht versäumen an einen Abschied zu erinnern, der uns alle im zeitigen Frühjahr dieses Jahres sehr tief getroffen hat. Sie als Schüler, uns als Lehrer und Kollegen. Ich meine den unerwarteten Tod unserer lieben Kollegin , Ihrer geliebten Lehrerin und Tutorin Frau Heckert. Wie hätte sie die heutige Abiturfeier genossen, ihr erster Französisch – Leistungskurs, für dessen Zustandekommen sie sich so eingesetzt hatte, hat erfolgreich das Abitur bestanden. Leider ist ihr dieser Moment nicht vergönnt gewesen. Ich bitte deshalb Sie alle, sich von den Plätzen zu erheben und Regina Heckert eine Minute des stillen Gedenkens zu geben. Wenn man heute die Ergebnisse der Abiturienten miteinander vergleicht, so sieht man große Unterschiede in den erreichten Durchschnittsnoten. Von dem Traumdurchschnitt 1,1 bis 3,5 reicht die Spannbreite der Bewertungen. Das war harte Arbeit, Fleiß, Ausdauer und Leistungsbereitschaft Ihrerseits. Wir freuen uns über alle Zeugnisse, in denen zum Ausdruck kommt, dass Sie um Leistungen gekämpft haben. Besonders über das Reifezeugnis von Juliane Kuschke, Maria Fiedler und Oliver Sommer. Ihnen gilt im Namen des Lehrkörpers mein herzlicher Glückwunsch. Besonders erfreulich ist, dass bei diesem Abiturjahr in den Spitzenpositionen sowohl Mädchen als auch Jungen vertreten sind. Ebenso erfreulich ist der errungene Gesamtdurchschnitt von 2,28 Ein Durchschnitt, der dem Jahrgang insgesamt ein gutes Zeugnis bescheinigt. Ein Blick in die vor uns sitzenden Schülergeneration zeigt mir auch, dass es unter Ihnen nicht wenige gibt, die bereits während Ihrer Schulzeit verantwortungsbewusst und selbständig handelten. Ich denke hier in erster Hinsicht an unsere Schülervertreter, besonders an Sarah Nahrstedt, Vincent März und Vincent Rzepka, die sich als Mitglieder der Schulkonferenz um das Wohl der Schülergemeinschaft bemüht haben. Herzlich bedanken möchte ich mich auch für dieEinsatzbereitschaft von Schülern dieses Jahrgangs, die viel Freizeit opferten, um im Rahmen der Instrumentalgruppe oder des Chores unsere Schule bei Konzerten und öffentlichen Veranstaltungen würdig zu vertreten. So zum Beispiel bei Juliane Kuschke, Maria Fiedler, Oliver Sommer und Axel Erich, vier engagierten Mitgliedern aus der Instrumentalgruppe. Genauso zeigten Schülerinnen und Schüler dieses Jahrgangs bei mathematischen und naturwissenschaftlichen Wettbewerben auf Landes -und Bundesebene hervorragende Leistungen. Ich möchte hier - neben den bereits erwähnten Schülern -Irene Bernt, Marian Gawron, Andreas Krause und Christian Krauß hervorheben, die den Ruf unserer Schule über die Grenzen Brandenburgs hinaus getragen haben. So errangen drei von Ihnen noch in der 13. Jahrgangstufe im Bundeswettbewerb Mathematik einen 2. Preis. Besonders berührt hat mich ein Antrag an den Förderverein, in dem eben diese Schülerinnen und Schüler um eine Unterstützung für ihre Ausgaben bei der Teilnahme an einem Wettbewerb baten. In ihrem Schreiben heißt unter anderem: „Unser Team, bestehend aus 4 Schülern unseres Gymnasiums, nahm an einem Informatik-Wettbewerb, der im Internet durch die Fachhochschule Bonn – Rhein – Sieg ausgeschrieben wurde, erfolgreich teil. Nach Auswertung durch den zuständigen Fachbereich der Hochschule wurden wir neben einem weiteren Team aus Köln zur zweiten Stufe des Wettbewerbs im Juni eingeladen. Auch vor Ort konnte sich das Team unseres Gymnasiums durchsetzen und wurde zur Siegerehrung, die im Oktober im Rahmen eines Festaktes stattfand, gebeten. Die Kosten für die erste Reise beglichen wir mit eigenen Mitteln. Unterkunft fanden wir sehr günstig in einem nahe gelegenen Kloster.“ Soweit der Auszug. Sie schreiben nun weiter, dass sie bei der zweiten Unterkunft , einer Jugendherberge, höhere Kosten hatten und bitten den Förderverein um die oben erwähnte Unterstützung, die ihnen natürlich gewährt wurde. Sie hatten sich also allein für diesen Wettbewerb angemeldet, hatten Quartier, Reise nach Bonn alles in eigener Regie organisiert und waren dank ihres Einsatzes auch noch so erfolgreich. Solch einem Handeln kann man als Lehrer nur mit Respekt und Achtung begegnen. Ebenso war das Theaterspiel und die neue Arbeitsgemeinschaft Film für einige Schüler dieses Abiturjahrgangs eine willkommene Möglichkeit zur Entfaltung ihrer Neigungen. Stellvertretend möchte ich hier nennen: Silvia Dudek, Sara Schurmann, Karen Bähr und Philipp Schmidt, die mit ihrem darstellerischen Talent unverwechselbare Augenblicke auf der Bühne bzw. auf der Leinwand geschaffen haben. Eine weitere Facette, die man nicht vergessen sollte, die vor allem zum Wohlbefinden der Schülergemeinschaft beiträgt, ist das Schülerradio, wenn es auch manchmal - wegen der Lautstärke - zu atmosphärischen Störungen mit uns älteren Mitgliedern der Schulgemeinde kam, möchte ich mich trotzdem für das Engagement dieses Teams bedanken. Wenn man die Schulzeit Revue passieren lässt, so sind es auch die gemeinsamen Unternehmungen außerhalb des Schulgebäudes, die Klassenfahrten, Exkursionen, Theaterbesuche, die den eigenen Blickwinkel erweitern. An solche Ereignisse knüpfen sich meist unvergessliche gemeinsame Erlebnisse. Überhaupt zeigen die zahlreichen ausländischen Kontakte, der Auslandsaufenthalt einzelner Schüler in den USA, Kanada oder Australien , so der Schüleraustausch mit Frankreich und Schweden, so die Zusammenarbeit mit einer russischen Schule, dass sich an unserem Gymnasium in den letzten Jahren ein weltoffenes Klima entwickelt hat. Das kann angesichts fremdenfeindlicher Umtriebe in manchen Regionen nicht hoch genug eingeschätzt werden. Zu dieser Entwicklung haben eine Reihe von Ihnen, liebe Abiturienten, durch Ihr Interesse, Ihre Mitarbeit, aktiv beigetragen. Als nur ein Beispiel möchte ich hier anführen, dass Anna Sophie Lüttringhaus heute den Appollinaire- Preis für ihr Engagement in der französischen Sprache bekommen wird. In diesem Zusammenhang bedanke ich mich auch beim Förderverein der Schule, dessen finanzielle Hilfe es so manchem Schüler erst ermöglichte, solche Angebote der Schule wahrzunehmen. Mit dem heutigen Datum werden Sie, liebe Schülerinnen und Schüler, unsere Schule verlassen. Wir Lehrer werden zurückbleiben, Ihnen sozusagen nachwinken. Ich möchte an dieser Stelle allen Lehrkräften, die diesen Abiturjahrgang begleitet haben, herzlich danken, besonders den ehemaligen Klassenleitern: Frau Göller, Herrn Höhlig, Herrn Karohs sowie den Tutoren: Frau Juhran, Frau Maempel, Frau Rodner, Frau Rohde, Frau Wimmer und schließlich Herrn Zschau, der in diesem Jahrgang sowohl Klassenleiter als auch Tutor war. Weiterhin bedanke ich mich bei Frau Geßner und Herrn Hausstein für die erfolgreiche Organisation des Abiturs und nicht zuletzt bei unseren guten Seele im Sekretariat - bei Frau Näther. Liebe Abiturientinnen und Abiturienten. Vielleicht ist unser Abschied voneinander gar kein so ein endgültiger. Vielleicht schon sehen wir das eine oder andere Gesicht von Ihnen wieder, wenn Sie einige Abschnitte in Ihrem Leben gemeistert und eine Familie gegründet haben. Vielleicht dann, wenn einige von Ihnen Ihrerseits ihre Kinder wieder zu uns aufs Gymnasium schicken werden. Vielleicht ja deshalb, weil Sie nicht die schlechtesten Erinnerungen daran haben. Und wenn Sie dann bei der Beurteilung dessen, was wir Älteren mit unserem Leben gemacht haben, noch eine gewisse Nachsicht walten lassen, dann wünsche ich Ihnen vor allem eines, machen Sie es besser als wir. Wir haben getan, was wir konnten. Und wenn Sie es einst besser machen werden, dann können wir Alten sagen, wir waren wirklich gut. Denn ein guter Lehrer in der Schule wie im Leben zeichnet sich vor allem dadurch aus, dass ihn seine Schüler alsbald überflügeln.

In diesem Sinne einen guten Start